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Lieder, die keine Eintagsfliegen sind und Brücken bauen

- 24.07.2018 - 

Die badische Landeskirche führt – zusammen mit den evangelischen Kirchen in Württemberg, der Pfalz und Elsass-Lothringen – zum 1. Advent einen neuen Liedbuchanhang ein. Der Landeskirchenmusikdirektor Kord Michaelis (Karlsruhe) berichtet im Interview mit Öffentlichkeitsreferent Claudius Schillinger, wie es dazu kam, nach welchen Kriterien die Lieder ausgewählt wurden und warum er ein Adventslied am liebsten mag.

Quelle: privat
Landeskirchenmusikdirektor Kord Michaelis. Bild: prviat

Warum gibt es einen neuen Gesangbuchanhang?

Kord Michaelis: Das 1995 eingeführte Evangelische Gesangbuch ist – genau wie alle Gesangbücher vor ihm – eine Momentaufnahme. Es enthält die wichtigen Lieder unserer jahrhundertealten Kirchenliedtradition, aber auch neuere Lieder aus den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg, die den Liedbuchkommissionen der 80er-Jahre wichtig waren. Nun geht die „Liedproduktion“ aber natürlich immer weiter – es entstehen Jahr für Jahr spannende neue Lieder. Daher ist es schon immer wichtig gewesen, zwischen den Erscheinungsterminen des eigentlichen Gesangbuchs (das wahrscheinlich 2030 neu überarbeitet herauskommen soll), neuere Lieder in Beiheften zu sammeln und sie als Landeskirche miteinander zu erproben.Täte man das nicht, wurden manche Lieder, weil sie just zur Entstehungszeit eines Evangelischen Gesangbuchs schon „olle Kamellen“ sind, es nie in ein Gesangbuch schaffen. Andere, die gerade angesagt sind, würden aufgenommen, obwohl sie sich vielleicht als Eintagsfliegen erweisen.

Welche Lieder finden sich im Anhang?

Kord Michaelis: Vielfältige, und zwar insgesamt 218 Stück, davon 124 neue. Wir haben heutzutage sehr unterschiedliche kirchliche „Singszenen“, die teilweise wenig voneinander wissen und ihre Lieder gegenseitig nicht gut kennen. Im neuen Anhang sind typische „Sacro-Pop-Lieder“ aus dem Kirchentagsumfeld genauso vertreten wie Kanons und klassisch anmutende neue Lieder. Wir finden Anbetungs- und internationale, mehrsprachige Lieder. Außerdem sind einige Choräle enthalten, da für den neuen Wochenliedplan, der ab dem 1. Advent gilt, einige Lieder in unserem Gesangbuch fehlten. Da die Auswahlkommission aber aus sehr vielen Liedern auszuwählen hatte, sind natürlich von allen Lied-Genres eher die interessanteren und qualitativ überzeugenderen Lieder aufgenommen worden. Die Kommission wollte gerne aussagekräftige Texte und singbare Melodien von Komponisten, die auch mal den Mut zum Ungewöhnlichen haben. Nicht jedes Lied wird jedem gefallen – aber das Liederbuch ist auf jeden Fall spannend!

Was ist das Besondere für Sie am Anhang?

Kord Michalis: Voneinander Lieder zu lernen, kann einen wichtigen Brückenschlag bilden – nicht nur zwischen Nationen und Konfessionen, sondern auch zwischen verschiedenen Frömmigkeitsstilen. Insofern ist das Besondere allein schon, wie viele Lieder es für jeden und jede zu entdecken gibt. Der Brückenschlag ist aber auch ganz wörtlich zu verstehen, denn wir haben das Liederheft gemeinsam mit Vertretern aus Elsass-Lothringen erstellt. Nun ist es sowieso auffällig, dass viele Lieder heutzutage mehrsprachig sind. Aber in unserem Heft gibt es besonders viele Liedern, die auch französische Texte haben. Für die Ökumene beiderseits des Rheins ist dass ein großer Gewinn!

Was ist Ihr Lieblingslied im neuen Anhang?

Kord Michaelis: Ein Adventslied: „In dunklen kalten Tagen“. Wir haben es auf einer Tagung gesungen in der Morgenandacht am 14. November 2015. Das war nach der Nacht mit den Terrorbildern aus Paris und den grauenhaften Szenen im Bataclan-Theater. Da habe ich wieder gemerkt,welche Kraft selbst einem noch ganz unbekannte moderne Liedtexte und -melodien entfalten können. Jedenfalls solche, die nicht nur als Wohlfuhlsongs geschrieben wurden. Und dieses Lied hat solch eine Kraft.

Datei zum Downloaden
Landeskirchenmusikdirektor Kord Michaelis. Bild: prviat

Autor / Autorin
Claudius Schillinger
Referent für Öffentlichkeitsarbeit

 
Angedacht

Quelle: Volker Fränkle

Jahreslosung 2019
Suche Frieden und jage ihm nach! Psalm 34,15
Wer sucht, ist fokussiert. Fokussiert auf das, was er sucht. Wer jagt, ist fokussiert. Fokussiert auf das, was er jagt. „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15) Fokussiere dich voll und ganz auf den Frieden! Was genau nehme ich da in den Fokus? Meine persönliche Vorstellung vom Frieden? Eine gelehrte Definition? Besser finde ich Psalm 25,15: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn“. Denn „er ist unser Friede“ (Epheser 2,14). Ohne Jesus renne ich in die Falle des Bösen, von dem ich mich abwenden soll (Psalm 34,14). Ohne Jesus werde ich selbst zum Gejagten. Nur mit Jesus finde ich Frieden und kann Frieden stiften.
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